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Auf unserem Grabhügel

Am zweiten Wochenende im Juni war es wieder so weit: Zum siebten Mal trafen sich Bronzezeit-DarstellerInnen von nah und fern und zeigten, was sie können.

Die Sonne fuhr meist strahlend auf ihrem Schiff über den Himmel, und das bunte Treiben konnte sich voll entfalten...

Das Besondere an diesen Bronzezeittagen war, dass wir neben guten Freunden, die uns seit Jahren begleiten, auch mal neue, noch unbekannte Leute eingeladen hatten, mit denen wir aber schnell Freundschaft schlossen, denn es stellte sich bald heraus, dass sie nicht nur einfach tolle Sachen mitgebracht hatten, sondern ihre Materie auch voll beherrschten. So gab es nicht nur Bronzen in Hülle und Fülle und schöne Trachten zu sehen, sondern in gleich zwei Bronzegusswerkstätten wurden unterschiedliche Schmelz- und Gusstechniken gezeigt.

Gruppenfoto
So viele prächtig ausstaffierte Menschen auf einem Haufen sind wohl noch nie auf dem Bronzezeithof versammelt gewesen!


Patrick und Matthias aus Blaubeuren (von Trommer Archäotechnik, diesmal aber ohne Meister Frank) arbeiteten mit einer Esse, in der die Luft durch eine relativ kleine einfache gerade Düse seitlich in die Glut geblasen wird. Um den Tiegel bei dieser einseitigen Luftzufuhr gleichmäßig zu erhitzen, muss die Glut sorgfältig um den Tiegel herum gebaut werden; die kalte Luft darf nämlich niemals direkt auf das Gefäß treffen. Die Bronze würde nicht zur Schmelze kommen, der Tiegel dagegen sofort bersten. Die beiden sind aber ja erfahrene Bronzegießer und bekamen es natürlich hin: 1200 Grad Hitze, so heiß, dass die Bronze nach dem Herausnehmen aus der Glut lange genug flüssig bleibt, um nicht mitten im Guss zu erstarren... Allerdings muss kurz vor dem Gießen ein nasses Erlenholzbrettchen auf den Tiegel gelegt werden, damit der Sauerstoff über der Schmelze verbrennt und sich keine Oxidschicht auf ihr bildet.

Bronze in der Esse

Die Esse von Patrick und Matthias mit der geraden Düse

Bronze in der Form

Es ist gelungen, die (meiste) Bronze in die Specksteinform zu gießen...


Rohling und fertiges Stück

So etwas kompliziertes können die Beiden gießen: ein prunkvolles Rasiermesser vom südlichen Typ. Links der Rohling, wie er aus der Form kommt, rechts das fertig bearbeitete Stück

Torsten aus Hamburg war zum ersten Mal bei uns. Er ist Archäotechniker und Museumspädagoge und zeigte eine andere Art, Bronze zu gießen. Seine Esse wurde mit einer größeren, rechtwinklig abgeknickten Düse belüftet. Mit einer solchen Düse, die für die Jungbronzezeit belegt ist (während die einfachen, kleineren gerade Düsen schon seit der Frühbronzezeit bekannt sind), kann die nötige Temperatur – richtige Glutführung vorausgesetzt – sehr viel schneller erreicht werden. Ein weiterer Vorteil der Luftzufuhr von oben ist, dass die Glut auch auf dem Tiegel entfacht wird, sodass von vornherein eine reduzierende (sauerstoffarme) Atmosphäre über der Schmelze entsteht und sich keine Oxidschicht auf ihr bilden kann.

Esse mit Knickdüse

Die große Knickdüse in voller Aktion: Torstens Esse


Thorsten beim Bronzeguss

Ein heikler Moment: der Tiegel mit der glühenden Schmelze wird aus der Glut genommen – die Form steht im Sandbett bereit...


Bronzeschmuck Teil1

Ja, und das ist die Pracht, die so entsteht: Bronzeschmuck, hier in Hülle...


Bronzeschmuck Teil 2

...und Fülle (die letzen zwei Bilder zeigen Werkstücke der Gruppe Aurea Aetas)


Zweifellos ist der Bronzeguss immer ein spektakulärer Mittelpunkt unserer Aktionen. Aber natürlich gab es noch andere Attraktionen, nämlich wieder das beste Brot sein 3000 Jahren aus dem Lehmbackofen, von der Meisterhand Jürgens gebacken...


Fertiges Dinkelbrot im Ofen

Goldbraunes Brot, leider noch zu heiß, um gleich reinbeißen zu können


Bild 10

Aber was kommt vor dem Backen? Korn mahlen natürlich. Und das ist offensichtlich meist Kinderarbeit...


Siggi bietet Beilagen zum Brot an

Und jede Menge leckeres zum Brot dazu. Sieglinde hat's drauf – nur merkwürdig, dass sie als Prinzessin ausstaffiert ist und nicht als Köchin. Als Prinzessin von Fallingbostel ist sie mit Schmuck und Flügelhaube leicht overdressed für ihre Arbeit


Prinzessin Siggi

Hier sieht sie schon viel mehr wie eine Prinzessin aus!


Dagmar am Webrahmen

Zur prächtigen Ausstattung gehört natürlich die richtige Kleidung. Unser erstes eigenes Stück Stoff wird nun endlich von der Meisterin Dagmar vom Webstuhl genommen...


Stoff vom Webstuhl

...und feierlich ans helle Tageslicht gebracht!


Der Stoff ist ab

Und da zeigt es sich: Durch das jahrelange Hängen in der rauchigen Luft des Hauses hat sich die Wolle vom ursprünglichen hellgrau immer mehr ins Braune verfärbt...


Handarbeiten im Baumschatten

...während die Stoffe, die die Gruppe Aurea aetas, hier sind Gabi und Andrea zu sehen (mit Torsten ganz aus Aschaffenburg angereist) weiter verarbeiten, offenbar schon gewaschen sind...


eigene Bronzegeräte

In all der Replikenpracht sind unsere eigenen, jetzt geschäfteten Werkzeuge beinahe untergegangen. Wir wollen die Leute vom Bronzezeithof nach und nach allesamt mit Werkzeug, Schmuck und auch so mancher Waffe ausstatten


dechseln am Futtertrog

Es funktioniert: Torsten haut unseren zukünftigen Futtertrog mit einem Schaftlappen-Dechsel weiter aus


Krieger aus Karren

Unser Ackerkarren trägt ungewöhnliche Fracht. Geert, sonst einfacher Bronzezeithof-Bauer, fährt als urnenfelderzeitlicher Krieger über den Hof


Emma und Isabel

Da staunen unsere beiden hochträchtigen Kühe Emma und Isabell nicht schlecht: kennen sie ihren Geert doch gar nicht so kriegerisch


Abschlußfoto auf dem Grabhügel

Am Ende werden die Ahnen beehrt: Besuch auf unserem Grabhügel. Von links nach rechts sind zu sehen Ralf, der Urnenfelderkultur-Mann (aus Kassel), Ulla (Bronzezeithof-Gästeführerin), Torsten mit seiner Frau Gabi (Aurea aetas), Dagmar (Herrin des Webstuhls), dahinter Joachim (aus Hameln, mit seiner Begleiterin, der Lure), Andrea (mit Gabi und Torsten aus Aschaffenburg zu uns gekommen), Jürgen (unser treuer Event-Bäcker aus Soest), dahinter der Ahne (aus Holz), Siegi (Kräuter-Prinzessin aus Hannover), Michael (Bronzezeithof-Gästeführer), Geert (Bronzezeithof-Gästeführer und Teilzeit-Krieger), Alina (Bronzezeithof-Gästeführerin)...

und außerdem waren da noch viele andere, die das Treiben unterstützt haben (Louis, Claas, Daniel, Michael W., Wim, Jean-Loup, Hermann, Ria P., Barbara, Gerrit, Jan). Es waren wieder einmal ganz wundervolle Tage, auch Dank der vielen netten BesucherInnen, von denen etliche viele Stunden oder gar den ganzen Tag lang bei uns geblieben sind – das zeigt uns, wie kurzweilig es bei uns sein kann!