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Felsb Stier

Wir haben sehr schnell gemerkt, dass sie uns ein eher lösungsorientiertes Verhalten abverlangen und wir neue Kommunikations- und Entscheidungswege finden mussten, um den Bedürfnissen der beiden Damen gerecht zu werden...    

Schon letztes Jahr hatten wir deshalb eine kleine Arbeitsgruppe gegründet, die sich ums Füttern, Zähmen, Pflegen und Bespaßen von Isabell und Emma kümmern sollte. Zur ersten Bewährungsprobe wurde der ziemlich harte und lange Winter 2010/2011 - wer besorgt das ganze Futter? Wie soll die Raufe aussehen? Wo sollen die Rinder schlafen? Wie tränken wir - bei dem Frost? Das war wirklich ein großes Problem; der Schlauch zur Tränke musste jeden Tag eingerollt und warm gelagert werden, weil er sonst jede Nacht eingefroren wäre. Durch Manfreds Initiative gab es dann recht schnell ein beheizbares Tränkebecken mit frostsicherer Zuleitung: ein Problem weniger... Viel (recht teures) Heu bezogen wir von einem Landwirt aus dem Nachbarort. Die Raufe wurde auch bald fertig... Eigentlich als Notlösung gedacht, konnten Emma und Isabell den Winter über das neue Werkplatzgebäude als Unterstand nutzen. Dazu haben wir die Wände gegen den Wind mit Planen verkleidet und den Boden dick mit Stroh eingestreut. Und eigentlich sollten sie ja gar nicht dorthin, sondern wir hatten für sie einen leichten Verschlag unter den Bäumen vorbereitet - bloß, dass der steife Ostwind sich darin fing und die Tiere so gar keine Lust hatten, dort zu liegen...

Der Winter geht zuende

Als endlich der Frühling kam, musste sich leider Joke - wegen zu starker Differenzen mit einigen von uns - von Emma und Isabell trennen. Wir träumten ab jetzt ohne sie den Traum, die Rinder richtig zahm zu machen. Bisher war es nur ihr gelungen, sie am Halfter zu führen - an dem Punkt setzten wir mit viel Liebe, Überredungskunst und Leckerlis an, und Alina hatte bei Emma, der forscheren der beiden, dann auch erste Erfolge. Alle beiden waren mittlerweile zwar viel zutraulicher, vor allem auf der Weide - doch Isabell ließ sich nur so gelegentlich überlisten und das Halfter anlegen.

Der Lenz ist endlich da...Emma sucht Futter im Brunnenring

Aus einer Zeitschrift hatten wir von einer sanften Methode erfahren, unsere etwas zimperlichen Damen besser in die Halfter zu bekommen (www.tvl-avsa.ch/Archiv/2004/flieri2829.pdf). Wir gingen also an's Werk: zunächst schlugen wir auf der Weide ein paar Pfähle im Kreis ein, banden ein dickes Tau darum und lockten sie mit lecker Möhren und anderen Köstlichkeiten in diesen magischen Ring. Die erste Arbeit war in 20 Minuten erledigt: beide waren am Strick, und wir konnten sie etwas auf der Wiese herumführen, um sie dann gleich wieder freizulassen. In den nächsten Monaten wurden die Wege länger und länger - nun ging es vor allem auch auf das Gelände, in's Haus, in den Wald (bis zum Blekkerhof!) und auf Nachbars Wiese (wo das Gras ja sowieso immer am besten schmeckt).

Nun führten wir auch eine Art Weide-Management ein, damit sich die Erfahrung aus dem ersten Jahr, dass unsere knappe Fläche schnell arg kahlgefressen wurde, nicht wiederholte. Wir unterteilten sie in drei gleichgroße Portionen, von denen immer nur eine beweidet wird, damit sich die anderen in der Zwischenzeit erholen können. Außerdem fütterten wir etwas Stroh als "Appetitbremser" und zum Zeitvertreib zu, wofür wir eine Raufe extra überdacht haben. Das hat gut funktioniert - die Rinder waren im Sommer immer satt und glatt im Fell.

Trockener Sommer -

Jeder, der schon einmal einen modernen Weidezaun gesehen hat, weiß, wie optisch ansprechend sie sind und wie gut sie in die Bronzezeit passen. Eisen!draht!! - Plastik!!! Geht ja gar nicht. Wir fanden eine schöne, plausible Lösung, wie sie auch in der Prähistorie funktioniert haben könnte, indem wir eine Menge stabiler Hürden aus Eichenspalthölzern bauten, die rund 2,20 m lang sind (das ist das schon bekannte "Bronzezeit-Meter") und 1,40 m hohe Pfähle haben. Sie werden einen halben Meter in die Erde eingegraben, miteinander verbunden und dürften einer kleinen Stampede standhalten. Nicht, dass so eine schon mal stattgefunden hätte...

Außerdem fehlten im Haupthaus noch immer ein paar Viehboxen - nun nicht mehr...

...und ein heißer Herbst!

Nun ging's los: Vor dem Kauf und während der langen Phase der Diskussionen und Annäherung an den Gedanken der Rinderhaltung undenkbar, kam jetzt immer öfter die Frage auf, wie wir es denn mit dem Nachwuchs halten wollen. So zogen wir eines Tages aus und besichtigten Hannibal, einen Dexter-Bullen bei Familie Kempker in Emlichheim. Wir wurden uns schnell einig - besonders weil er ja soooo süß mit seiner "Größe" von einem Meter Widerristhöhe war, und auch seine Kälbchen beim Züchter soooowas von niedlich... Das wollten wir auch haben!

Bulle HannibalAlso: Hannibal intra portas! Im September und Oktober besuchte er uns nun - eigentlich aber ja Emma und Isabell. Diese Zeit von 8 Wochen gaben wir ihm, weil Rinder einen Zyklus von drei Wochen haben und zwei davon auch stattfinden sollten, solange er bei uns weilte. Wir waren mächtig gespannt und haben jeden Tag nach verdächtigen Zeichen geguckt. Ganz genau kennen wir die Deckdaten nicht, aber Emma war in der letzten Septemberwoche wohl soweit, und Isabell zwei Wochen später. Seit dem 9. Januar 2012 wissen wir es nun, von Anke tierärztlich bestätigt: Hannibal hat getan, was von ihm erwartet wurde und beide (!) sind trächtig. Sie werden ihre Kälbchen nach 280 Tagen Tragzeit im Sommer - Ende Juli/Anfang August - bekommen, also um die Zeit des Festes der Lebendigen Archäologie!

Platschnasser Winter

Am 19. November musste Hannibal Abschied nehmen - für Emma und Isabell hieß das, auf eine mittlerweile längst geliebte Gesellschaft zu verzichten. Ihr Missfallen war deutlich. Andererseits gab es nun auch einen - ganz ordentlichen - Fresser weniger auf der Weide; er hatte doch ordentlich zugelegt in seiner Zeit auf dem Bronzezeithof. Schwanger war er aber nicht geworden, das hat Anke festgestellt...

Mit den guten Erfahrungen aus dem ersten Winter richteten wir das neue Werkplatzgebäude wieder als Winterstall ein. Wir legten nun zusätzlich auch den Boden davor mit Stallmatten aus - eine gute Entscheidung - denn der Boden ist nach den vielen Regenfällen doch wieder reichlich schwarz geworden... Bald nun wird es aber wieder Frühling, dann Sommer - und dann kommen die Kälbchen!