Grabungsplan klein

Die Ausgrabungen des Gräberfeldes auf dem Riedberg in Uelsen

 

Die Vorgeschichte:
Im Juni 2003 wurde im Rahmen der Erschließungsmaßnahmen für das Neubaugebiet Uelsen-Ost der Mutterboden innerhalb der Straßenführungen ausgebaggert. Im Bereich des westlichen Wendehammers lagen - zunächst unbemerkt - einige Kreisgräben, ein Langbett und etliche Urnenreste und Leichenbrandlager, die vom Bagger stark beschädigt waren, frei auf der Oberfläche.

Noch am darauf folgenden Wochenende machten sich Grabräuber darüber her und durchwühlten die Befunde nach Bronzeteilen. Kurz danach wurde ein Uelsener Bürger auf die Bestattungen aufmerksam. Er benachrichtigte den Verkehrs- und Verschönerungsverein Uelsen, der wiederum den ehrenamtlichen Beauftragten für Bodendenkmalpflege im Landkreis Grafschaft Bentheim anrief. Nach einer kurzen Besichtigung war klar, dass hier ein Gräberfeld der Bronzezeit vorlag. Die zuständige Archäologische Denkmalpflege der Bezirksregierung Weser-Ems (heute Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Stützpunkt Oldenburg) wurde umgehend herbeigerufen, um die Befunde in einer Rettungsgrabung zu dokumentieren und die Funde zu bergen.

Im August 2003 wurde zunächst die Fläche des Radweges südlich des Wendehammers ausgegraben. In mehrwöchiger ehrenamtlicher Arbeit wurden ebenfalls die Aushubdeponien systematisch durchsucht, wobei noch wichtige Funde gemacht worden sind - so stammt der bisher einzige Bronzefund, ein so gen. Rasiermesser, aus einem Abraumhügel.


Grabung

Schon die ersten Grabungen im Juni 2003 stießen auf großes Interesse. Hier zeichnen Schülerinnen und Schüler ihre Eindrücke von der Arbeit



Das Uelser Rasiermesser

Das Uelser Rasiermesser.
Solche Messer werden meist in männlichem Grabkontext gefunden und deshalb so angesprochen. Sie sind ein wichtiges archäologisches "Leitfossil", dessen Entwicklung von der mittleren Bronzezeit bis zum Ende der Jungbronzezeit mit seiner Formen- und Verzierungsvielfalt genauere Datierungen ermöglicht. Häufig sind auf den Blattklingen sehr aufschlussreiche mythologische Szenen eingepunzt, die uns viel über die Weltsicht der Menschen vor 2700 bis 3300 Jahren erzählen... Auf dem Uelser Messer fehlen sie - lediglich der spiralförmig aufgerollte Griff lässt eine Datierung in die Zeit um 1000 v. Chr zu.

Im September 2003 schließlich wurde in gemeinsamen Beratungen mit der Gemeinde Uelsen, der Grundstücksgesellschaft und dem Landkreis Grafschaft Bentheim die möglichst umfassende Ausgrabung der Grundstücke im Bereich des Gräberfeldes beschlossen, die von Oktober bis Anfang Dezember 2003, von März bis Mitte Juni 2004 und von Mai bis Juli 2005, also rund 9 Monate, dauern und insgesamt rund 7200 m² umfassen sollte.

 


Grabung

In der Übersicht über die Grabungsfläche im Herbst 2003 sind im Vordergrund die dunklen Verfärbungen der Grabeinhegungen deutlich zu erkennen

 

Die Ergebnisse:
Bei den Grabungen konnten über 250 Gräber dokumentiert werden, die meist von grabenförmigen Einhegungen umgeben waren, in denen siche ehemals Hügel befanden. Die Formen umfassten ein Spektrum, das eine Nutzungszeit von etwa 1200 bis 600 vor Chr., also von rund 600 Jahren, belegt.

 


Grabungplan

Der Gesamtplan des Gräberfeldes zeigt die Vielfalt der Grabformen: Neben Bestattungen unter mit Gräben eingehegten Grabhügeln gibt es auch eine Reihe von solchen ohne nachweisbare Einhegungen. Diese Grabeinhegungen sind meist kreisförmig oder leicht oval. Die Kreisgräben können doppelt, dreifach oder sogar vierfach angelegt sein. Außerdem gibt es langgestreckte, ovale Einhegungen ("Langbetten"). Die Leitform für die Jungbronzezeit ist aber das "Schlüssellochgrab", das aus einem "normalen" Kreisgraben besteht, dem aber ein Vorhof angegliedert ist, sodass die Gesamtform wie ein Schlüsselloch aussieht. Auf dem Riedberg wurde nur ein einziges Grab dieser Form entdeckt, die sonst häufig vorkommt. Die jüngste Grabform ist ein so gen. Quadratgraben, von der auch nur ein Exemplar gefunden wurde. Diese Form der Grabeinhegung gehört schon in die Eisenzeit.

Auffällig ist, dass es auch eine Anzahl von Leergräbern gibt, Grabhügel, in denen gar keine Bestattung nachgewiesen werden konnte. Diese so gen. Kenotaphe sind ein Zeichen dafür, dass die Leiche bei der Zeremonie nicht verfügbar war - vielleicht waren dies Vermisste, die für tot erklärt wurden?

Ganz am östlichen Rand des Gräberfeldes liegen einige Pfostenkarees: vermutlich haben diese Pfosten einmal Scheiterhaufen gehalten, auf denen die Toten verbrannt wurden. Sie stammen wahrscheinlich schon aus der älteren Eisenzeit und markieren das Belegungsende des Gräberfeldes.

 

Urnen

Die Bestattungen wurden entweder in Urnen, also tönernen Gefäßen, oder in Form von so gen. Leichenbrandlagern, also in organischen Behältnissen (Beuteln, Schachteln), die heute natürlich längst vergangen sind, vorgenommen. Die Urnen sind auf dem Plan rot, die Leichenbrandlager blau gekennzeichnet. Häufig wurden weitere, meist kleinere Becher, Tassen oder Schalen mit in die Grabgrube gegeben - manchmal neben, oft aber oben auf die Urne gestellt, viele davon mit dem Boden nach oben.

Möchten Sie mehr über die Ausgrabungen und die Menschen vom Riedberg wissen? Dann besuchen Sie die Ausstellung in Blekker's Hofcafé! Dort erwarten Sie neben leckeren selbstgemachten Kuchen und Torten Originalfunde, Repliken und Pläne vom Gräberfeld, und Sie können einigen der dort Bestatteten in Form von anthropologischen Untersuchungsergebnissen begegnen...

Das Café hat von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet.