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Bronzezeithof Uelsen

gerhard7

Wo sonst lässt sich die Steinzeit so hautnah sehen und erleben wie in Uelsen? Natürlich auf dem Bronzezeithof!

Dort haben Darsteller aus ganz Deutschland am letzten Wochenende im Juli ein breites Spektrum der Mittel- und Jungensteinzeit gezeigt. Seitdem sind zwar etliche tausend Jahre vergangen, aber schon damals bewegten den Menschen vor allem drei Dinge: etwas zu essen, ein trockenes Dach über den Kopf und Gemeinschaft.

Wo sonst lässt sich die Steinzeit so hautnah sehen und erleben wie in Uelsen? Natürlich auf dem Bronzezeithof! Dort haben Darsteller aus ganz Deutschland am letzten Wochenende im Juli ein breites Spektrum der Mittel- und Jungensteinzeit gezeigt. Seitdem sind zwar etliche tausend Jahre vergangen, aber schon damals bewegten den Menschen vor allem drei Dinge: etwas zu essen, ein trockenes Dach über den Kopf und Gemeinschaft.

Das zumindest entnahmen wir dem Vortrag von Henning Fenner am Freitag vor den Festtagen. Im großen Saal der Volksbank erzählte Henning, wie er und seine Freunde zum Steinzeit-Experiment des SWR kamen und wie er dann zusammen mit Ingo in steinzeitlicher Kleidung die Alpen überquerte. Bei der Kleidung und Ausrüstung und womöglich der Route ließen sie sich von „Ötzi“ inspirieren. Die 350 km lange Strecke vom Bodensee bis Südtirol schafften sie dabei in vier Wochen. Henning würde gerne nochmal auf die Art die Alpen überqueren, dann aber lieber ohne Kamerateam.

Ziiiieeeht an!Am nächsten Tag startete das Fest der lebendigen Archäologie mit einem gewaltigen Gewitterschauer, der sich glücklicherweise schnell verzog und so die tolle Mitmach-Aktion am Abend nicht in Gefahr brachte. Dann sollte nämlich ein 2 Tonnen schwerer Stamm mit Rollen und Muskelkraft zu seinem neuen Standort gezogen und dort aufgerichtet werden. Der Plan, den wir uns vorher gemacht hatten, war gut – aber an dem Abend waren einfach zu viele Experten auf dem Gelände. Und so wurde manches probiert und wieder anders gemacht. Bis der Baum dann endlich stand hatten wir so manche bange Minuten, besonders zum Schluss, als der Baum frei in der Luft hing und zur einen Seite kippen drohte. Großartig unterstützt wurden wir dabei von der IV. Kompanie des Bentheimer Landwehrbatallions aus Uelsen (pfeilhttp://www.4tekompanie.com/) und zum Ende auch noch von vielen Besuchern, die mit uns am Strick zogen. Albert Holthuis hat das Spektakel gefilmt und auf Youtube veröffentlicht – seht selbst!

Für den Sonntag wollten wir eigentlich den dicken Stein auf den dann leeren Holzschlitten legen. Aber die Kompanie hat das „noch eben“ am Samstagabend gemacht, und so waren wir sonntags quasi arbeitslos; konnten aber so viel besser die anderen Teilnehmer mit Fragen löchern.

BogenbauAngefangen mit Henning, der mit steinzeitlichen Werkzeugen einen Bogen baute. Dazu hatte er vor einigen Wochen eine Haselrute passend mit Knochenkeilen gespalten und schabte nun mit einem großen Feuerstein vorsichtig den Bogen ab. Zwischendurch kontrollierte er die Krümmung, indem er den Bogen durchdrückte und die Stellen, die sich schlecht krümmen ließen, markierte. Dort musste noch Material weggenommen werden.
Kurz nach Mittag wurde vom Nachbarstamm aus Itterbeck ein bereits abgehangenes Reh geliefert, das umgehend aus der Decke geschlagen und in bratfertige Portionen zerteilt wurde. Das im Haus über dem Feuer gegarte Fleisch konnte dann mit frischem Brot probiert werden.

Um die Ecke, in der Metallwerkstatt, stellten Kerstin und Andreas Kirmse – nach langer Zeit wieder auf dem Bronzezeithof – ihre Arbeiten vor. Andreas zeigte, wie Knochen, in diesem Fall Muschelschalen, auf einem Stein geschliffen werden. Aus kleinen Scheiben, die zusammengenäht werden, entsteht ein Schmuckwerk in erlesener Optik. Vor ihm lagen viele Werkzeuge aus Stein und Knochen. Da Knochen sich nicht gerade spalten lassen, werden entlang der gewünschten Bruchstelle tiefe Rillen mit Feuerstein eingearbeitet. Dann lässt sich ein Knochen sehr gut spalten, er muss später nur noch passend geschliffen werden. Und das braucht seine Zeit – vor allem viel davon.
Seine Frau Kerstin, die schon vor Jahren wunderbare Repliken für den Bronzezeithof gemacht hatte, töpferte an beiden Tagen an Trommeln aus Keramik. Nachdem sie getrocknet und gebrannt sind, werden sie mit Tierhaut gespannt. Es sind die ersten dieser Art, die sie gebaut hat. Darum wissen wir noch nicht, wie sie später klingen werden. Außerdem zeigte sie interessierten Besuchern die Vielfalt an Nahrungsmitteln der Jung-Steinzeit. In kleinen Tongefäßen hielt sie viele Samen von auch heute noch alltäglichen Pflanzen bereit, wie z. B. Emmer-Getreide oder Hirse. In einem Topf lag ein aufgesplitterter Stock, ähnlich einem Schneebesen, den sie auch tatsächlich so benutzte, um aus Rahm bzw. Schlagsahne Butter zu schlagen. Von Hand dauert das bei Bio-Schlagsahne (wichtig, weil diese ohne Stabilisatoren sind. Mit der Chemie klappt das nicht) etwa ein halbe Stunde. Zuerst wird die Sahne immer dickflüssiger, dann wie Schlagsahne geeignet für Kuchen und sehr schnell schlägt die Sahne um und wird klump. Dann dauerte es nur noch wenige Sekunden und man hat selbstgemachte Butter. Zwar ungesalzen, aber doppelt lecker.

andreas3Im gleichen Gebäude war Patrick; er stellte viele Steinäxte und Trommeln aus. Die Äxte waren aus geschliffenem, harten kristallinem Stein, welches nicht sofort splittert oder bricht. Im Gegensatz zu Beilen oder Äxten aus Metall wird die Steinklinge nicht senkrecht, sondern in flachem Winkel zum Baum geführt. Abwechselnd ober- und unterhalb der Fällhöhe werden rund um den Baum Kerben geschlagen, bis er fällt. Ein Fallkerb oder ähnliches ist bei dieser Methode nicht möglich, die Fällrichtung lässt sich allenfalls durch Seile steuern.
Übrigens sind seine Trommeln echte Unikate aus Baumröhren und Rohfell, sie klangen an dem Tag wegen des feuchten Wetters etwas dumpf, aber doch klar.

Was wäre die Steinzeit ohne Feuerstein? Nicht Fred, sondern Dieter Röhr hatte viele Feuersteine, bearbeitete und rohe mitgebracht und zeigte eine Auswahl an selbstgebauten Klingen und Speerspitzen aus Feuerstein. Einige seine Waffen hatten allerdings auch Schneiden aus kunstvoll bearbeiteten Knochen, wie Harpunen mit Widerhaken oder Pfeile für den Bogen. Aber auch Feuermachen mit Feuerstein und Markasit konnte man bei ihm sehen – und so manche Pfeilspitze aus Feuerstein verschenkte er an Kinder, die ihm dabei halfen.

Ein Kindermagnet par Excellence war wieder mal Jean-Loup. Auf dem ganzen Gelände hörte man seine aus einem Stück Holunder und Gänsekielen selbstgebauten Flöten. Wir waren froh, dass er auch noch anderes angeboten hat... Wer weiß, ob es nicht schon vor 5000 Jahren Lärmschutzbestimmungen gab ;) – Die Kinder waren jedenfalls auch begeistert von selbstgemachtem Schmuck und seinem Lithophon – einem Klanginstrument aus verschiedenen großen Feuersteinblöcken. Und besonders von seinem französischem Akzent, mit dem und mit seinem Humor er seine Zuhörer fesselte.

Gerhard, das OriginalAuf der großen Wiese hat Gerhard Kalden sein Lager aufgeschlagen, mit einem runden Lederzelt zum Wohnen und einen offenem Zelt für Waffen und Gerät. Besonders auffällig aber war sein Boot, eine Konstruktion aus dünnen mit einem großen Fell überzogenen Spaltlatten ohne Kiel, bei der man schon beim Ansehen Angst vorm Kentern hat. Aber eine Bootsfahrt soll mit viel Ballast möglich sein. Leider konnten wir seine Behauptung nicht überprüfen, unser Teich ist zu klein (noch!). Sein Rundzelt, das viele an Indianerzelte erinnert, hat eine lange Tradition in vielen Kulturen auf der ganzen Welt. Er hatte auch sonst schöne und manchmal gruselige Sachen dabei, wie Eimer aus Mägen oder Behälter und Rasseln aus Tierfüßen.

Drinnen im Haupthaus, und das darf ich hier nicht vergessen, gab es auch viel zu sehen. Dagmar und Olga arbeiteten am Webstuhl, der zu den Bronzezeittagen vor einigen Wochen neu eingerüstet worden war, und die beiden haben seitdem glatt 20cm Stoff gewoben.
An der Feuerstelle hatte unser Koch Michael sein Reich. Erst zauberte er aus vielen Zutaten eine herzhafte Suppe und durfte dann das Reh zubereiten. Siegi und Stäffi hatten leider abgesagt, und so war die Küche etwas unterbesetzt. Doch noch es fiel keinem auf und es wurden alle satt, auch weil Jürgen Bocian und sein Lehrling Jan Brinkhuis im Lehmbackofen aus Dinkelmehl, Wasser und Hefe leckere Brote gebacken haben. Dazu gab es wie immer geräucherten Fisch.

Im Besonderen wurde die Ernährungs-Situation durch Blekker's Hofcafe gerettet. Sie boten am Sonntag auf dem Bronzezeithof Gelände Kuchen und Kaffee zu einem wirklich günstigen Preis an. Acht Kuchenbleche haben sie verkauft! Das ist ein super Erfolg für Blekker's Hofcafe und für uns. Ich hoffe, im nächsten Jahr wird die Aktion wiederholt.
Insgesamt war das Fest der lebendigen Archäologie gut besucht, am ersten Tag wegen dem Gewitterschauer etwas weniger, dafür kamen am Sonntag bei gutem Wetter viele Besucher, besonders aus Twente. Kostenmäßig machten wir weder Gewinn noch Verlust. So kann das weitergehen...

Weitere Bilder...

andreas kirmse

Andreas

die kirmses

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Kerstin und Andreas Patrick hatte verschiedene Felle dabei.
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Olga Dagmar
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Der Stand von Dieter Gerhard
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Gerhards "Indianerzelt" die Nußschale
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nochmal... Rassel aus Kuhzehen
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Eimer aus Rinde Hennings Felle
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Sind das Ötzi-Schuhe? Jürgen

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Hier entsteht eine schmackhafte Suppe!

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Ein Bronzezeitler in der Steinzeit Ziieht an!