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Bronzezeithof Uelsen

vortrag

Der Arbeitskreis Bronzezeithof lädt am 12. April um 19Uhr ins Alte Rathaus in Uelsen ein. Bernd Rasink berichtet über den Goldfund in Syke/Gessel und weitere Funde, die beim Bau der Nordeuropäischen Erdgasleitung entdeckt wurden.

Bei der größten Grabung Niedersachsens wurde von der Elbe bis nach Rehden im Landkreis Diepholz ein 200km langer und bis zu 36 m breiter Schnitt gegraben.

Der Vortrag handelt von der archäologischen Arbeit von der Planung über die Durchführung bis zu den Funden, insbesondere dem sensationellen bronzezeitlichen Goldschatz von Gessel bei Syke mit Forschungsergebnissen und neuen Fragen zum Material und Herstellung der Fundstücke.

Der Goldschatz von Syke ist "Herausforderung und Chance für die Archäologie", so Bernd Rasink.


So lautete unsere Pressemitteilung und sie hat nicht zuviel versprochen. Bernd Rasink hat sehr detailiert erklärt, wie der Goldfund gefunden und untersucht wurde und mit welchem Aufwand an Material und Intelligenz die vielen offenen Fragen des Fundes enträtselt wurden und werden.

Das Rätsel der Goldketten.

Allein das 8 Ketten a 10 Glieder gefunden wurden warf ein Menge Fragen auf: warum gerade 10? Die Zahl ist die Wahrscheinliche, da eigentlich jeder 10 Finger hat. Es ist deswegen kein Hinweis auf ein Dezimalsystem. Die Ketten waren unterschiedlich an Länge und Gewicht, so daß auch die Theorie eines Wärungsmittels nicht haltbar ist. Außerdem waren einige der Drähte endlos, andere hatten Spuren, als wären es gezogene Drähte. Dabei gilt als gesichert, daß  die Technik erst viel später erfunden war. So richtig glauben mag man es nicht, denn es gibt einen Fund aus der Bronzezeit mit einem Zieheisen aus Bronze. Festgestellt konnte es nur, weil die Stücke sorgfältig freigelegt wurden und dadurch originale Bearbeitungsspuren erhalten blieben.

Das Rätsel der Herkunft.

Untersuchungen mit Spektrometer (oder sowas ähnliches) zeigen die genaue Zusammensetzung des Materials und es wurde festgestellt, daß das Gold aus Afganistan und dem Iran kommt. Das sind über 3000km vom Fundort entfernt. Wie kommt das denn nach Niedersachsen? Früher, also ganz früher, gab es hier große Moorgebiete und ein trockener Streifen und wenn man zur Nordsee wollte führt an dem heutigen Syke vorbei.
Der Schatz wurde sorgfältig zusammengepackt in einem Beutel aus Leinen und mit 5 Bronzenadeln verschlossen. Genauso sorgfältig wurde es vergraben und die Erdschichten in der richtigen Reihenfolge wieder ins Loch gefüllt. Die Stelle ließ sich von außen nicht ohne weiteres erkennen. Der Schatz wurde nicht in Eile oder auf der Flucht vergraben.
Die Form und Muster auf der Spange und den Armreifen zeigen, daß das Gold in Norddeutschland bearbeitet wurde. Einige Forscher vermuten das Gold gehörte quasi einem Altmetall-Händler, der das Gold neu aufarbeitet. Dabei wurden in ganz Schleswig Holstein nur etwas mehr als 2kg Gold gefunden, da scheint die Händler-Theorie zweifelhaft. Bernd Rasink vermutet bereits in der Bronzezeit eine mächtige und reiche Elite und das das Gold ihren Anspruch festigte. Nur: warum wurde es nicht mehr ausgegraben?

Das Rätsel des Leinenbeutels.

Auf dem Gold lagen vermeintlich 4 Bronzenadel, erst bei einer späteren Untersuchung wurde eine 5te entdeckt. An den Bronzenadeln war organisches Material. Durch Verwitterung der Bronze, vorallem wegen Blei und anderen Stoffen hält sich organisches über so lange Zeit auch in luftiger und feuchter Umgebung. Der Stoff wurde beim Bundeskriminalamt untersucht und sie stellen eindeutig fest, das der Stoff aus Leinen ist.
Organisches läßt sich mit der C14-Methode genau datieren und dieses Ergebnis wird noch in diesem Jahr feststehen. Die bisherige Datierung auf 3400 Jahre vor unserer Zeit basiert auf die Form und Verarbeitung der Stücke. Vielleicht birgt das Ergebnis eine handfeste Überraschung?

Weitere Funde:

Insgesamt wurden beim Pipelinebau 700ha Boden freigelegt und von Mitarbeitern des Denkmalamtes und vielen Privatfirmen begleitet. Es gab ca 170 nennenswerte Befunde querbeet durch alle Zeiten. Unter anderem eine Frauengestalt, die auf 11000 Jahre geschätzt wird: "Die Venus von Bierden". hier ein pfeil Artikel von Der Welt (Link öffnet ein neues Fenster).

Ausstellung der Funde

Im pfeil Landesmuseum Hannover vom 23. August 2013 bis 2. März 2014 wird der Schatz mit anderen Goldfunden präsentiert. Bernd Rasink hat versprochen den Arbeitskreis Bronzezeithof persönlich durch die Ausstellung zu führen - das lassen wir uns natürlich nicht entgehen...

vortrag feuer

Ganz links sitzt Bernd Rasink, nach dem Vortrag am Feuer im Bronzezeithaus.