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Werkplatz2 02

Das Funktionsgebäude, der Brunnen, der Speicher und das zweite Werkplatzgebäude.

Das Jahr 2010 hat uns dem Ziel, einen richtigen Bauernhof mit allem Drum und Dran zu errichten, um einige wichtige Schritte weiter gebracht.

Neue Toiletten für unsere Besucher
Ihr Wunschbrunnen
Der Stelzenspeicher
Ein zweites Nebengebäude

Das Funktionsgebäude

Seit einigen Jahren wuchs der Wunsch, ein weiteres Gebäude auf dem Gelände zu errichten, das sanitäre Anlagen und eine kleine Küche beherbergen sollte. Angesichts unserer Besucherzahlen (über 6000 im Jahr, darunter weit mehr als die Hälfte Kinder) wurden eigene Toilettenanlagen schlicht immer dringender benötigt. Die Gemeinde Uelsen konnte schließlich die benötigten Mittel dafür aus dem Konjunkturpaket II zur Verfügung stellen, sodass wir in der Lage waren, ein solches Gebäude konkret zusammen mit dem Architekten Horst Jäkel zu planen - und zu bauen!

Tolietten- und Küchenhaus


Schwierig war allerdings
, Gestaltung,  Dimensionen und Standort so zu wählen, dass das bisherige stimmige Bild des bronzezeitlichen Bauernhofs nicht allzusehr beeinträchtigt würde. Was den Standort betrifft, hatten wir wegen der Anschlüsse an die Ver- und Entsorgungsleitungen nur sehr wenig Spielraum: es war schnell klar, dass das Gebäude ganz in die Nordwestecke des Grundstücks gesteckt werden musste. Das ist allerdings recht nah am Haupthaus. Daher wollten wir die Optik durchgehend mit natürlichen Materialien gestalten. So bekam das Gebäude außen Lehmflechtwände und ein flach geneigtes Gründach. Natürlich sieht es dadurch nicht gleich aus wie ein rekonstruiertes bronzezeitliches Gebäude, aber zerschlägt so wenigstens nicht den Gesamteindruck. In Zukunft sollen eine zusätzliche Flechtwerkeinhegung im Verein mit hoch wachsenden Pflanzen (z. B. Lein) für eine weitgehende Integration des Gebäudes in das Ensemble sorgen.

Die Vorteile sind aber enorm: endlich haben wir eine Behinderten- und Damentoilette, eine Dusche, eine Herrentoilette und eine kleine Küche! Das bedeutet für uns - und vor allem für unsere Gäste - eine große Qualitätssteigerung. In kommenden Winter können wir nun über eine Angebotserweiterung nachdenken: Übernachtungen für Familien und Kindergruppen auf dem Bronzezeithof - das wird eine attraktive, spannende Sache werden...

 

Ein Muss für jeden Bauernhof: der Brunnen

Der Eichenstamm
In den meisten ausgegrabenen prähistorischen Siedlungen
finden wir Brunnen nahe bei den Häusern. Bereits in der Jungsteinzeit haben die Menschen manchmal sehr großen Aufwand getrieben, um brauchbares Wasser direkt in Reichweite zu haben; so wurden schon bis zu 20 m tiefe, sorgfältig mit Holzkästen versteifte Brunnen ausgegraben.

Sehr häufig waren Brunnen, die eine Röhre aus großen, hohlen Eichenbaumstämmen besaßen. Einen solchen Brunnen wollten wir nun auch für uns bauen - es war aber gar nicht einfach, einen solch mächtigen Stammabschnitt zu bekommen! Schließlich wurden wir fündig, allerdings in ziemlich großer Entfernung, nämlich im Landkreis Oldenburg. Dort musste eine Eiche gefällt werden, weil sie nicht mehr verkehrssicher war. Wir konnten vom Grundstückseigner (s. Bild) ein über zwei Meter langes, fast anderthalb meter dickes Stück erwerben, das schließlich mit einem Transport als Beifracht nach Uelsen gebracht werden konnte. Da lag es nun also - und war nicht gerade sehr hohl... Wir hatten schon so manches gehört, wie man mit Feuer einen Stammabschnitt aushöhlt - aber getan hatten wir es selbst noch nicht. Aus Mangel an Mut, und weil das ganze Stück sehr schwer zu bewegen war, zersägten wir es quer in zwei Hälften.

..wird ausgebrannt...
Und dann ging es los mit dem Ausbrennen: wir legten die beiden Stücke hochkant und entfachten ein Feuer mit viel Glut auf der Schnittfläche.
Langsam, sehr langsam fraß sich eine Mulde hinein - es war offensichtlich, dass dieser Plan zwar funktionierte, ab es würde ewig dauern, bis wir auf diese Weise zum Ziel kommen würden...

...bis der Archäotechniker Jean-Loup Ringot, der regelmäßig bei uns zu Gast ist, die Geschichte sah und sofort einen viel, viel besseren Tipp hatte: nicht obendrauf, sondern untendrunter sollte das Feuer brennen! Im Holz gab es nämlich schon einen kleinen, beinahe durchgängigen Spalt, den es nur zu erweitern galt. Also legten wir unter den Klötzen eine Feuergrube an, brannten die Mulden weiter aus, drehten die Klötze um und wiederholten den Vorgang - und irgendwann war es soweit: der Spalt konnte durchstoßen werden. Von da ab ging alles sehr schnell, denn jetzt bewirkte der Spalt einen zunehmenden Zug nach oben. Im Nu hatten wir die Röhre so erweitert, dass wir die Klötze auf die Seite legen und liegend weiterfeuern konnten.

...es brennt...
Nun ließ sich auch der Verkohlungsvorgang sehr gut steuern, indem das verkohlte Material von Zeit zu Zeit herausgekratzt und das Feuer bei Bedarf verlegt wurde
. Durch Drehen des Klotzes konnte auf diese Weise ein recht gleichmäßiges Ausbrennen erreicht werden. Allerdings gab es auch schwierige Stellen: an alten Astansätzen und in Trockenrissen fraß sich die Glut häufig zu schnell und tiefer ein als geplant. Wir verschmierten diese empfindlichen Stellen sorgfältig mit stark gemagertem Lehm, der verziegelte und so das Holz vor der Glut schützte. Das Ganze war von nun an ein Kinderspiel - es geschah sozusagen nebenbei - nur ab und zu musste der Vorgang kontrolliert werden. Grob geschätzt reichten etwa 20 Stunden aus, um einen Klotz dieser Größe und mit diesem Durchmesser auf eine Wandungsstärke von etwa 10-15 cm auszubrennen. Dabei muss bedacht werden, dass eben keine ständige Beaufsichtigung nötig war, sodass die echte Arbeitszeit deutlich kürzer gewesen ist.

Diese Aktion war nebenbei auch eine Attraktion für unsere Besucher, denn die werdenden Brunnenröhren mit dem Feuer, der Glut und dem Qualm boten einen ungewöhnlichen und spannenden Anblick. (Deshalb wurde auch beschlossen, die eine Hälfte nicht im Brunnen zu verbauen, sondern zu Demonstrationszwecken liegen zu lassen.)

  ...und brennt...

Baumstammbrunnen Ausbrennen 05Übrigens fand nicht nur menschliches, sondern auch tierisches Publikum die hohlen Baumstämme attraktiv.

Offensichtlich war den Bentheimer Landschafen ihre weiße Wolle irgendwie zu langweilig. Nur zu gern standen sie in der Röhre, schubberten sich und verliehen ihrem Vlies auf diese Weise eine neue, interessante Note: graue bis schwarze Strähnchen... Auch Schönheitsflecken auf den Nasen waren gefragt. Zu schade, dass wir den modebewussten Schafen ihre Kosmetik-Röhre wieder wegnehmen mussten - schließlich sollte der Brunnen nun endlich gebaut werden...

Schließlich sollte der Brunnen in die Erde - aber wäre es nicht schade um diesen interessanten Anblick gewesen, wenn beide Röhren verbaut würden? Wir beschlossen daher, nur eine der beiden zu benutzen. Wie aber konnte nun die nötige Tiefe erreicht werden? Ganz "einfach": der Brunnen wurde etwas komplexer gebaut - auch dafür finden sich archäologische Vorbilder. Der tiefste Teil des Schachts wurde mit Eichenbohlen ausgesteift, die angespitzt und tief in den Boden gerammt wurden - eine schwere Arbeit. ausgebranntErst darauf wurde der Eichenring platziert. Um zuletzt auch noch die nötige Brüstungshöhe über der Oberfläche zu erreichen, bauten wir oben auch noch ein Flechtwerkrund darauf - so erhielt der Brunnen eine Tiefe von 2 Metern und ragte noch 1,40 Meter hoch aus dem Erdreich. Er ist ein rechtes Prachtstück geworden...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Speicher

Regelmäßig tauchen bei Ausgrabungen prä- und frühhistorischer Siedlungen kleine Grundrisse auf, die nur 4 Pfostengruben umfassen; meist in Abständen von 2 bis 2,5 m im Quadrat gesetzt. Oft gehören zwei oder drei dieser kleinen Bauten zu einem Gehöft. Aufgrund von historischen Parallelen werden diese Gebäude allgemein als Stelzenspeicher angesprochen. Durch eine hoch über dem Erdboden auf Stelzen stehende Vorratskammer sollten ein gut durchlüftetes Klima und Stelzenspeicherein Schutz vor Mäusen und Ratten gewährleistet werden. Die Tiere mussten nämlich zunächst die Stelzen hochklettern, um sich sodann über Kopf auf der Unterseite der Vorratsplattform entlangzuhangeln, bevor sie den Vorratsraum erreichen konnten. Die Unterseite der Plattform war zudem oft durch plattige  "Mäusesteine" geschützt, die zwischen den Pfostenköpfen und den Bodenbrettern eingefügt wurden und deren glatte Unterseite den Krallen keinen Halt bot. Das bedeutete allerdings eine völlige statische Trennung des Unterteils vom Oberbau, der also von den Stelzen rutschen konnte, sobald einer der Pfosten beim Verrotten nachgab. Deshalb wählten wir eine bauliche Lösung, bei der die Pfosten bis zum Dach durchreichen. Wie aber kann hier dem Überfall durch Mäuse und Ratten Einhalt geboten werden? Wir werden jedenfalls die Unterseite der Plattform so glatt wie nur möglich machen und dann abwarten, was passiert, wenn wir tatsächlich Getreide dort lagern. Eine weitere Maßnahme könnte die Anbringung von Stülpen aus Birkenrinde sein, die nur schwer von den Tieren überwunden werden dürften. Wir arbeiten jedenfalls daran - und auch das ist eine Art von experimenteller Archäologie! Der Boden erhält in diesem Winter noch einen Lehmestrich und ein hübsches Reetdach, sodass er für die kommende Saison fertig wird.

Natürlich kann dieses putzige Häuschen auf Stelzen, das uns Jetztmenschen irgendwie an ein Baumhaus erinnert, auch anders genutzt werden - es gab schon so einige Anfragen, ob es denn möglich wäre, da drin (allein oder zu zweit...) zu übernachten...

 

Das zweite Werkplatzgebäude

Ebenfalls regelmäßig werden etwas größere Pfostensetzungen in prä- und frühhistorischen Siedlungen freigelegt, die teils den Haupthäusern ähneln, teils kleiner und einfacher aufgebaut sind. Für solche Grundrisse kommt eine Deutung als Werkstätten in Betracht. Es ist leicht nachvollziehbar, dass viele Tätigkeiten eher nicht im recht dunklen Haupthaus ausgeführt wurden, sei es, weil dazu eine bessere Beleuchtung nötig  war (Schnitzen, Nähen), sei es, weil sie die ohnehin schon gegebene Feuergefahr erhöhten (Bronzeguss, Keramikbrennen), oder sei es, dass extreme Geruchsbelästigungen oder giftige Dämpfe damit verbunden waren (Gerben, Färben).

Grundriss NebengebäudeEin Beipiel für ein derartiges Nebengebäude kennen wir aus der Grabung in einem mittelbronzezeitlichen Siedlungsplatz in Spoolde bei Zwolle, Prov. Overijssel. Dort grub man in den 80erjahren einen Teil dieser Siedlung aus und fand neben einigen ovalen auch ein rechteckiges Nebengebäude. Der Pfostengrundriss war uns zum Zeitpunkt der Planungen des ersten Werkplatzgebäudes noch gar nicht bekannt - um so schöner war es, zu erkennen, dass unser idealtypischer Grundriss mit dem aus Spoolde fast deckungsgleich ist. In der Zeichnung ist der Uelser Grundriss in grün über den orangefarbenen aus Spoolde gelegt. Neben einigen kleinen Abweichungen ist nur die Ausrichtung nach den Himmelsrichtungen anders - der von Spoolde liegt annähernd ostwest, der in Uelsen beinahe nordsüd.

Unser erstes Werkplatzgebäude, das 2008 fertiggestellt wurde, bekam einen Fußboden aus Stampflehm, ganz so, wie der im Haupthaus. Das Gebäude dient vor allem bei unbeständigem Wetter vielfältigen Aktivitäten im Rahmen von Veranstaltungen wie den Bronzezeittagen oder dem Fest der Lebendigen Archäologie oder für Schulklassen - und bietet alle Vorteile eines geschützten, aber luftigen und hellen Arbeitsplatzes.

Der neue WerkplatzAuch das zweite Gebäude soll diesen Zwecken dienen, nachdem schnell feststand, dass die Kapazitäten des ersten nicht ausreichten. Im Unterschied zu diesem erhält es aber einen mit Findlingen und Feldsteinen gepflasterten Fußboden. Solche Steinpflasterungen sind archäologisch schon seit der Jungsteinzeit bekannt, allerdings werden sie sehr selten angetroffen. Das mag sicher auch daran liegen, dass die damaligen begangenen Oberflächen irgendwann fast allesamt unter den Pflug gerieten und die Pflasterungen so zerstört wurden. Zum andern kennen wir auch dort, wo sie erhalten blieben, nur kleinflächige Pflasterungen (Hauseingänge, Böden von Totenhütten oder von Grabkammern in Großsteingräbern), sodass die Frage durchaus berechtigt ist, warum wir für eine Werkstatt einen solchen Fußboden wählen. Die Antwort ist: aus pragmatischen Gründen. Der Bronzezeithof hält seit kurzem zwei Rinder, die nach den heutigen Tierschutzbestimmungen für den Winter einen Offenstall brauchen - und solange, wie wir den nicht gebaut haben, muss unser Werkplatzgebäude Nr. 2 im Winter als solch ein Stall dienen. Nach den Bestimmungen soll er an einer Seite offen sein und einen festen, gepflasterten Boden haben, damit die Tiere nicht im Schlamm stehen müssen. Selbstverständlich erfüllen wir gerne diese Maßgaben - aber die Pflasterung hat natürlich auch den Zweck, dass das Gebäude am Beginn der Saison besser zu reinigen ist, damit es seiner eigentlichen Bestimmung als Werkplatz und Platz für museumspädagogische Veranstaltungen gerecht werden kann. Die Belastung des Gebäudes durch Mist und Jauche dürfte sich denn auch sehr in Grenzen halten - die Rinder suchen den Stall nur äußerst selten bei extrem schlechtem Wetter auf.  - Zu den Rindern gibt es übrigens in Kürze ausführliche Informationen im Artikel "Neues Leben auf dem Bronzezeithof".

Mit diesen Gebäuden, zu dem allenfalls noch ein weiterer Offenstall und ein Schutzdach für eine Keramik-Brenngrube hinzukommen, ist der vorläufig letzte Stand der Bebauung auf dem Bronzezeithof erreicht - und das innerhalb von nur 5 Jahren! Möglich war dies nur mithilfe des großen ehrenamtlichen Engagements unserer Bronzezeithof-Bewohner/-innen und dank der großen Unterstützung durch die Gemeinde Uelsen. Aber keine Sorge - es wird immer etwas neues zu entdecken geben...